Sprachförderung
16.02.2026

ABC-Klassen: Transporte minimieren

Christian Schuchardt, Geschäftsführer des Städtetages NRW, gegenüber der Rheinischen Post
  • Porträtbild von Christian Schuchardt

"Das Ziel, Kinder bestmöglich auf die Schule vorzubereiten und besonders ihre Sprachkompetenz zu fördern, ist absolut richtig. Da sind wir Städte völlig einig mit dem Land. Es geht darum, den Bildungserfolg aller Kinder zu verbessern und damit gegen die wachsenden Unterschiede beim Bildungserfolg zu arbeiten. Aber über den Weg gibt es noch Diskussionsbedarf.

Der Gesetzentwurf für die ABC-Klassen geht von einem Förderbedarf bei 33 Prozent der Kinder aus. Das heißt, für etwa ein Drittel der Kinder ist es schwierig, die deutsche Sprache zu verstehen und anzuwenden. Auch soziale oder motorische Kompetenzen sind bei vielen Kindern nicht altersgerecht entwickelt. Die bisherigen Tests in den Kitas bestätigen dieses Ergebnis.

Deshalb ist es gut, dass das Land jetzt zusätzliche Mittel für die Sprachbefähigung bereitstellen will. Es gilt aber, Transporte zu minimieren, denn das aktuelle Konzept sieht vor, dass ein Großteil dieser ABC-Klassen-Gelder dafür verwendet wird, Hunderttausende Kinder zweimal pro Woche von der Kita in die Schule und zurück zu transportieren.

Auch organisatorisch wäre der Aufwand immens und würde zusätzliches Personal nötig machen. Aktuell gibt es in etlichen Städten auch Engpässe bei Räumen an den Schulen, denn zeitgleich haben die Städte mit dem Rechtsanspruch auf Ganztag zu tun.

Das Vorhaben der ABC-Klassen ist gut, braucht aber ein Fundament, das vom Schulministerium und Familienministerium gemeinsam konzipiert wird und die bestehenden Förderprogramme berücksichtigen sollte.

Denn Kinder brauchen ganzheitliche, altersgerechte und aufeinander abgestimmte Förderung. Dazu sollten alle Förderprogramme konzeptionell zusammengebracht werden.

Die Städte schlagen daher vor, das Konzept einer kindgerechten Vorschule für Kinder mit Förderbedarf in den Blick zu nehmen und dafür auch die bereits jetzt im Schulsystem genutzten Ressourcen einzusetzen.

Sprich: Wer Förderbedarf hat, könnte beispielsweise nach dem letzten Kitajahr statt direkt in die erste Klasse zunächst in eine Vorschulklasse gehen. Aktuell bleiben viele dieser Kinder ohnehin ein Jahr länger in der Grundschule, weil ihre Kompetenzen noch nicht zu den schulischen Anforderungen passen. Dafür werden bereits de facto Räume und Personal bereitgestellt. Statt also den Schulbesuch für viele Kinder um ein Jahr Grundschule zu verlängern, könnten Kinder mit Förderbedarf gleich vor der ersten Klasse in eine Vorschulklasse kommen. So würde man bereits vorhandene Ressourcen und Konzepte nutzen und könnte sie klug mit einem Sprachförderkonzept in Zusammenarbeit mit den Kitas verbinden. Das wäre unbedingt prüfenswert."

Zum Artikel mit den Aussagen von rp-online.de