Städtetag kritisiert, dass Land geübte Praxis ändern will
"Es gibt bei Fußballspielen in NRW traditionell eine gute Zusammenarbeit von Polizei, kommunalen Ordnungsbehörden, Feuerwehr, Rettungsdiensten, Vereinen, Fanprojekten und Verkehrsunternehmen. Das hat sich bewährt und funktioniert.
Deshalb blicken wir durchaus kritisch darauf, dass das Land jetzt zumindest bei Fanmärschen die geübte Praxis ändern will.
Die Ankündigung des Landes, Fanmärsche nicht mehr regelmäßig durch die Polizei begleiten zu lassen, hat die Städte überrascht und war vorab auch nicht abgesprochen.
Ja, die allermeisten Fanmärsche bleiben friedlich, gerade bei Spielen zwischen Vereinen mit Fanfreundschaften. Es ist grundsätzlich nachvollziehbar, dass die Polizei nicht mehr jeden Fanmarsch begleiten will. Das kann aber nicht im Umkehrschluss heißen, dass jetzt die Kommunen zuständig sein sollen.
Unglücklich ist für uns, dass das Land ausgerechnet zum Beginn der Bundesligasaison und ohne vorherigen abgeschlossenen Dialog mit den Städten die Verantwortung in einem so sensiblen Sicherheitsbereich für sich neu ordnet und den Kommunen zuschiebt.
Die kommunalen Ordnungsdienste haben weder das Personal noch die Ausbildung und Ausstattung, um teils mehrere tausend Fußballfans zu lenken oder einen nicht genehmigten Fanmarsch aufzulösen.
Selbst ein personell und technisch sehr gut aufgestellter Ordnungsdienst stößt bei solchen Menschenmengen an seine Grenzen. Im Fall der Fälle würden die städtischen Ordnungsdienste dann also ohnehin wieder bei der Polizei um Amtshilfe bitten. Diesen Zwischenschritt könnte man sich sparen.
Die Position des Landes, Fanmärsche seien Veranstaltungen, führt natürlich zur Frage: Wer ist denn dann der Veranstalter? Es gibt aber in den meisten Fällen keinen greifbaren Verantwortlichen. Ohne Veranstalter kann aber niemand eine Veranstaltung genehmigen – auch nicht die Kommunen."
Schuchardt forderte:
"Wir erwarten, dass das Land den Erlass konkretisiert und ein kooperatives, schrittweises Vorgehen mit den Städten vereinbart. Gemeinsam brauchen wir eine Strategie, die auch die Vereine stärker in die Verantwortung nimmt."